Die Corona-Krise geht in den vierten Monat, und die Peinlichkeiten auf Regierungsebene mehren sich in einem Ausmaß, dem nur mehr mit Satire oder Alkohol beizukommen ist. Jede seriöse Auseinandersetzung mit derartiger Inkompetenz mündete unweigerlich in Depression.
Also Satire.
Da empfiehlt beispielsweise Herr Mahrer den Österreichern das Konsumieren: „Wer konsumiert, hilft seinem Land, seiner Familie und letztlich sich selbst“, das zeugt ja wahrlich von tiefer Weisheit. Und Herr Mahrer muss es wissen; er selbst konsumiert ja v.a. Posten in enormer Anzahl und Dotierung, und damit hilft er sich wohl selbst, das stimmt.
Der große Rest der Bevölkerung soll hingegen brav kaufen, um das Land zu retten, denn von der Regierung ist nicht viel zu erwarten. Von den angekündigten 38 Milliarden Euro an Unterstützung und Hilfsgeldern sind bislang nicht einmal 500.000 Euro ausbezahlt worden. Aus dem Härtefall-Fonds sind an 153.000 Selbstständige insgesamt 160 Millionen Euro geflossen, was einen durchschnittlichen Betrag von 1046 Euro pro Person ergibt. Wahrlich großzügig!
Die türkise Regierungsmannschaft betreibt derweil lieber Wien-Bashing. Das liegt nicht nur daran, dass Wien die letzte „rote“ Hochburg von überregionaler Symbolkraft ist, die der totalen Machtübernahme der türkisen Apparatschiks im Wege steht. Wien ist auch so etwas wie ein Gegenentwurf zum türkisen Provinzialismus, und die Angst vor der Großstadt sitzt bei diesen Leuten naturgemäß tief. Die Abneigung gegen alles Urbane ist fast so groß wie die gegen die Kunst.
Besonders Herr Nehammer scheint ja geradezu von einer tiefen Panik vor der Stadt getrieben. Das zeugt leider nicht gerade von Führungsqualität, denn Angst ist ein schlechter Ratgeber. Nehammer neigt dabei, einem allzu klein geratenen Kläffer nicht unähnlich, regelrecht zum Angstbeißen, wenn er seine schrägen Schauergeschichten aus der Großstadt zum Besten gibt. Dabei übt er sich im stahlharten Blick à la Clint Eastwood und möchte wohl gerne Dirty Harry sein. Vermutlich hat der gute Mann außerdem noch zu viele Splatter-Movies konsumiert, wie man aus seiner schnittigen Wortwahl („Wir sind die Flex, um die Infektionskette rasch zu durchbrechen“) schließen könnte.
Dann gibt es da noch eine Ministerin für Frauen und Integration, die ziemlich tolpatschig versucht, den Spin des Innenministers weiter zu treiben und aus der Corona-Krise ein Flüchtlings-Thema zu machen, das sie dann auch noch der bösen Stadt Wien umhängen möchte. Tolpatschigkeit scheint überhaupt die Hauptkompetenz der guten Frau zu sein, die im Interview zwischen eingelernten Stehsätzen schon mal vom „Hochfahren der Krise“ spricht.
Unser Herr Kurz wiederum zeigt eine sehr individuelle Interpretation von Wahrheit, wenn er seine Version vom Ausflug ins Kleinwalsertal erzählt. Da weiß er zwar von Talbewohnern und Journalisten zu berichten, die in der allgemeinen Begeisterung auf die Abstandsregeln vergessen hätten, dass er selbst für Selfies mit seinen Fans eng gekuschelt und auch zu den anderen Offiziellen inklusive Landeshauptmann kein bisschen Distanz gewahrt hat, übergeht er hingegen dezent. Fehler wären da sicher keine passiert, bestenfalls in der Vorbreitung. Fehler sind auch in Ischgl keine passiert, auch da hat der gute Kanzler seine eigene Version, denn Studien würden besagen, „dass sich das Virus in Europa von München aus ausgebreitet haben soll. Ich weiß nur nicht, ob es stimmt“. Außer Herrn Kurz weiß leider niemand von solchen Studien, aber wer wird das denn so eng sehen. Wir haben von unserem Kanzler ja auch schon gelernt, dass man in Krisenzeiten und auch sonst mit der Wahrheit wie mit der Rechtmäßigkeit sehr großzügig sein soll.
Und nun das erste Budget unseres schönen Finanzministers, wahrlich eine Premiere! Im Wesentlichen besteht es aus den Variablen „Weiß nicht“ und „Keine Ahnung“, die Bilanz lautet folgerichtig „Rutscht’s mir den Buckel runter“. Kein Wunder, sollten auch bei der Mathematik-Matura leere Aufgabenblätter abgegeben worden sein, im Vertrauen darauf, dass hinreichend dokumentiertes Unwissen zum Finanzminister befähige.
Dass dem Parlament ein Budget zur Diskussion und Abstimmung vorgelegt wurde, an dem wissentlich nichts stimmen kann, ist wohl verfassungswidrig, was aber den Minister und seinen Kanzler nichts schert. Ist ja nur Parlament. Während der Debatte am Handy spielend demonstrieren sie einmal mehr ihre grundlegende Missachtung der parlamentarischen Demokratie.
Als Gipfel der Ironie irrt man sich in einer eilig über Nacht leicht nachgebesserten Fassung des Staatshaushalts um ein paar Dezimalstellen und beschließt ein Budget von 102.000 Euro statt 102 Milliarden Euro. Vielleicht liegt die eigentliche Großtat unseres guten Herrn Finanzministers ja in dieser Dezimalverschiebung, und künftige Generationen von Menschen mit Dyskalkulie werden das „Blümelsche Komma“ als Mittel zur Vereinfachung des Rechnens mit großen Zahlen schätzen.
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