aufregung um aufregung
regen wir uns immer mehr auf,
echauffieren uns, empören uns
im spiegelnden glanz unserer echoblase
genussvoll bild für bild und wort für wort
hinein in eine aufregungsspirale,
in einen strudel, der uns tiefer und
tiefer zieht, immer schneller schleudert
und wirbelt und beutelt, atemlos macht
und berauscht, bis er uns
am tiefsten punkt, also am
höhepunkt der aufregung
ausspuckt ins nichts,
wo uns, erschöpft von so viel auf-
regung, so viel sozialem socialmediaengagement,
die ursache unserer aufregung schon wieder langweilt, so dass wir neue, bessere
aufregungen suchen und finden und
die alten vergessen, verdrängen, einfach
verlieren, bereit für den nächsten kick,
für den nächsten aufregungstaumel, den
nächsten beliebigen endorphinegotrip,
der wie alle anderen enden wird,
sinnlos, fraglos, folgenlos verpuffen wird
als furz zum herzergreifenden gedudel
irgendeiner schnulze, anschließend
tanzen wir den vogeltanz.
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eine abwertung aller online-schreiber/innen?
besser also sich keine gedanken machen,
nicht miteinander reden und still bleiben?
ich denke, dass jede aufregung, jede aus-
einandersetzung und aneinandergeratung
etwas bewirkt und nicht verpufft.
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Wieso sollte dies „eine abwertung aller online-schreiber/innen“ sein? Es ist lediglich eine Feststellung zum Zustand unserer Gesellschaft, in der rationale Debatten immer seltener werden und die Aufmerksamkeitsspanne des einzelnen wie der Allgemeinheit nichtmal mehr für Warhols 15 Minuten reicht. Spezifisch österreichisch ist das auch der Zustand der Politik und der Medien. Ein „Aufreger“ jagt den nächsten, Skandale werden mit inszenierten Sensationen zugedeckt, keine Aufregung hält länger als ein paar Tage an, dann ist das Interesse vorbei, dann wird vergessen und alles läuft weiter wie zuvor.
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wegen des wortes „socialmediaengagement“ sah ich die einzig adressierten eben im bereich socialmedia. insgesamt kommt dein menschenbild hier ja nicht gerade gut weg, es ist ein düster-depressives, wie ich finde, einseitiges bild das du hier zeichnest. deshalb die frage nach der abwertung.
ich wollte dir eigentlich noch eine seite verlinken, ein blog, ich meine, dass der blogger auch aus österreich schreibt. jedenfalls auch einer, auf den das nicht zutrifft, was du hier beschreibst (aus meinem blickwinkel betrachtet). ich hole das nach mit dem link.
nach deiner erklärung verstehe ich, wie du dein gedicht gemeint hast. danke dafür.
es lässt sehr viele fragen offen, ein paar hatte ich ja aufgeschrieben oben. mein kommentar war übrigens nicht als angriff gedacht, ich hoffe, das ist auch nicht so angekommen.
was die nachrichtenlandschaft angeht ist es ja so, dass nichts älter ist, als die meldung von gestern sozusagen. da geht es ja gerade darum, aktuelles zu vermelden. ich denke dennoch, dass das interesse von lesern und zuschauern eine rolle spielt. leserbriefe schreiben, emails. dafür gibt es i.d.r. ansprechpartner bei zeitungen und tv.
und ich denke auch, dass im moment mehr menschen mehr zeit als sonst für inhalte aufwenden, um eben zu verstehen. oder zu erkennen was ist was und wie. und dass nicht alle darüber oder davon sprechen, aus den verschiedensten gründen, wegen eben zu vieler debatten, die sehr häufig angriffslustig die meinung eines anderen gar nicht erst hören wollen oder wegbrüllen.
liebe grüße aus berlin. ich hoffe, ich konnte ein paar dinge verständlich mitteilen. 🙂
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2 Anmerkungen:
1) In den Sozialen Medien tummeln und erregen sich ja nicht nur Private, sondern auch professionelle Player, Neue und klassische Medien sowie Parteien und NGOs. Da sehe ich also alle eingebunden.
2) Ein literarischer Text, im speziellen ein Gedicht, ist nicht dazu da, Fragen zu beantworten. Wenn er dich dazu bringt, Fragen zu stellen, Dinge in Frage zu stellen, und sei es der Text selbst, dann hat er seinen Zweck erfüllt.
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